Psychische Belastungen, vor allem auch bei jungen Menschen, nehmen stetig zu. Die Auswirkungen zeigen sich in der Arbeitswelt: Unternehmen, Schulen und Sozialversicherungen stehen vor der Frage, wie junge Menschen frühzeitig unterstützt und langfristige Ausfälle verhindert werden können. Welche Rolle kann dabei das betriebliche Gesundheitsmanagement spielen? Das Luzerner Forum hat bei Anita Blum nachgefragt:
Was können Unternehmungen konkret tun, um die psychische Gesundheit junger Mitarbeitenden frühzeitig zu stärken?
Psychische Gesundheit sollte über die gesamte Ausbildungszeit hinweg systematisch mitgedacht werden – insbesondere bei Lernenden. Neben einem strukturierten Berufseinstiegsprozess sind kontinuierliche Begleitung, klare Erwartungen und feste Bezugspersonen zentral. Junge Mitarbeitende profitieren von regelmässigem Austausch, konstruktivem Feedback und einer wertschätzenden Fehlerkultur. Faire Ausbildungsbedingungen, frühzeitiges Erkennen und Ansprechen von «Problemen» sowie die aktive Integration ins Team stärken Sicherheit und Zugehörigkeit. So entwickeln junge Mitarbeitende nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch die persönliche Stabilität für den weiteren Berufsweg.
Welche Rolle spielen Führungskräfte, bzs. Berufsbildungsverantwortliche bei der Prävention psychischer Belastungen?
Führungskräfte und Berufsbildungsverantwortliche prägen den Arbeitsalltag von jungen Mitarbeitenden und Lernenden entscheidend. Durch ihr Verhalten, ihre Kommunikation und ihre Haltung beeinflussen sie, wie sicher und unterstützend das Arbeitsumfeld erlebt wird. Klare Erwartungen, Wertschätzung und ein bewusster Umgang mit dem Machtgefälle schaffen Orientierung. Wer Belastungen früh erkennt, anspricht und gleichzeitig Ressourcen gezielt stärkt, fördert nachhaltige Gesundheit. Zudem gestalten sie das Teamklima aktiv mit und tragen dazu bei, dass Unterstützung selbstverständlich und psychologische Sicherheit im Berufsalltag gelebt wird.
Wie gelingt es Unternehmen, über mentale Gesundheit zu sprechen, ohne zu stigmatisiert?
Mentale Gesundheit ist gemeinsam mit körperlicher und sozialer Gesundheit eine zentrale Grundlage für Leistungsfähigkeit und Arbeitsqualität im Arbeitsalltag. Unternehmen tun gut daran, Erwartungen, Umgangsweisen und Unterstützungsangebote verbindlich zu verankern. Eine sachliche, alltagsnahe Sprache und klare Prozesse schaffen Orientierung und vermeiden Unsicherheit. Führungskräfte und Berufsbildungsverantwortliche sprechen Themen aktiv an und setzen damit Standards und beziehen bei Bedarf interne oder externe Unterstützung ein. Entscheidend ist, dass Belastung weder dramatisiert noch tabuisiert wird, sondern als normaler Teil des Arbeitslebens gilt, der professionell begleitet und gestaltet wird.
Wo liegen die grössten Hebel, damit junge Menschen langfristig gesund und arbeitsfähig bleiben?
Die grössten Hebel liegen in gesund gestalteten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen. Die Lehre ist ein zentraler Lern- und Entwicklungsort: Hier erwerben junge Menschen Fachkompetenzen und werden gleichzeitig begleitet und befähigt, langfristig gesund und arbeitsfähig zu bleiben. Klare Strukturen realistische Anforderungen und verlässliche Erholungszeiten sind entscheidend, insbesondere bei zunehmender Arbeitsverdichtung. Gute Führung gibt Orientierung und setzt Grenzen. Gleichzeitig stärken soziale Unterstützung, Mitgestaltung und Entwicklungsmöglichkeiten die persönliche Widerstandskraft. Gerade in einer zunehmend dynamischen Arbeitswelt, geprägt durch technologische Entwicklung wie künstliche Intelligenz, braucht es flexible und gesunde Menschen, die Veränderungen kompetent begegnen und die Zukunft aktiv gestalten können.
Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt mit konkreten und praxisnahen Angeboten wie Apprentice, dem Leadership-Kit, dem Label «Friendly Work Space» sowie die Job-Stress-Analysis Mitarbeitendenbefragung.