Spitalplanung stärker an Versorgungsregionen ausrichten
Steigende Gesundheitskosten, die Alterung der Bevölkerung, die Ambulantisierung und der steigende Fachkräftebedarf stellen die Schweizer Gesundheitsversorgung vor grosse Herausforderungen. Wie Kantone, Spitäler, Krankenversicherer und weitere Akteure des Gesundheitswesens darauf reagieren und welche Rolle die Spitalplanung dabei spielt, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Krankenversicherung am Podium des Luzerner Forums.
Am 9. Juni 2026 diskutierten im Hörsaal des Luzerner Kantonsspitals Dr. Lukas Engelberger, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt und Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Hannes Koch, Kantonsrat der Grünen Luzern und CEO der Spitex Kriens, Dr. med. Martin Nufer, Verwaltungsratspräsident der LUKS Gruppe, sowie Saskia Schenker, Direktorin von prio.swiss – Verband der Schweizer Krankenversicherer, über die Zukunft der Spitalplanung in der Schweiz. Dabei zeigte sich: Über die Herausforderungen und die Notwendigkeit einer stärkeren Koordination besteht weitgehend Einigkeit. Unterschiedlich beurteilt werden hingegen die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit sowie die Rolle der verschiedenen Akteure.
Strukturwandel erhöht den Handlungsdruck
Die Alterung der Bevölkerung wird die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftebedarf braucht es deshalb eine vorausschauende Planung. «Ohne kantonsübergreifende Organisation der Versorgung mit klarer Konzentration der Kräfte werden wir die Versorgung langfristig nicht sicherstellen können», ist Martin Nufer überzeugt. Dass Handlungsbedarf besteht, ist auch für die Kantone unbestritten. Lukas Engelberger verwies auf den Dreiphasenplan der GDK. Dieser soll die Zusammenarbeit der Kantone verbessern und die Spitalplanung stärker an Versorgungsräumen statt an Kantonsgrenzen ausrichten. Gleichzeitig betonte Engelberger die
Verantwortung der Kantone für die Spitalplanung: «Die Gesundheitsversorgung wird in den Regionen erbracht. Deshalb sind die Kantone näher bei den Menschen und ihren Bedürfnissen als der Bund.»
Unterschiedliche Vorstellungen zur Zusammenarbeit
Saskia Schenker wies darauf hin, dass die Kantone bereits heute gesetzlich verpflichtet seien, ihre Spitalplanung zu koordinieren. Die entsprechenden Grundlagen seien vorhanden, würden jedoch unterschiedlich interpretiert und umgesetzt. «Koordination bedeutet mehr als Berichte
auszutauschen. Sie muss sich auch in gemeinsamen Entscheidungen und abgestimmten Leistungsaufträgen zeigen», sagte Schenker. Aus Sicht der Krankenversicherer können eine stärkere interkantonale Zusammenarbeit und die Planung in grösseren Versorgungsregionen mit mehr Spezialisierung einzelner Spitäler zu höherer Behandlungsqualität und effizienteren Strukturen beitragen.
Gesundheitsversorgung als Gesamtsystem denken
Hannes Koch plädierte dafür, die Diskussion nicht auf die Spitalplanung zu beschränken. Die Gesundheitsversorgung müsse künftig stärker als Gesamtsystem betrachtet werden. «Die Zukunft liegt in integrierten Versorgungsnetzen», sagte Koch. Neben den Spitälern müssten deshalb auch Hausärztinnen und Hausärzte, die ambulante Pflege, die Langzeitpflege und die Sozialdienste stärker zusammenarbeiten. Versorgungsregionen sollten sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren und nicht an Kantons- oder Gemeindegrenzen.
Alles in allem waren sich die Podiumsteilnehmenden darüber einig, dass die Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinweg gestärkt und die Spitalplanung stärker an Versorgungsregionen, Patientenströmen und transparenten Qualitätskriterien ausgerichtet werden muss. Unbestritten war auch, dass die Weiterentwicklung der Spitalplanung Zeit braucht – für einige gar zu viel Zeit. Gerade wenn es um die Sicherstellung der Grundversorgung geht, sind jedoch sorgfältig abgestützte Lösungen entscheidend, damit diese mehrheitsfähig und langfristig tragfähig bleiben.
Zum Abschluss der Veranstaltung zog Ida Glanzmann-Hunkeler, Präsidentin des Luzerner Forums, folgendes Fazit: «Die Herausforderungen bei der Spitalplanung und der Sicherstellung der Grundversorgung sind erkannt. Lösungen zu finden, die fachlich überzeugen, politisch mehrheitsfähig sind und von der Bevölkerung mitgetragen werden, bleibt anspruchsvoll und erfordert Geduld.»
Übersicht
Präsentationen
Gesamtpräsentation der Veranstaltung
Datum und Zeit
Dienstag, 9. Juni 2026
17.30 bis 19.00 Uhr im Spitalzentrum, Luzerner Kantonsspital mit anschliessendem Apéro riche
Ablauf
17.30 Uhr Begrüssung und Einführung
Ida Glanzmann-Hunkeler, Präsidentin Luzerner Forum
Grusswort und Einführung Florian Aschbrenner, CEO LUKS Gruppe
17.40 Uhr Impulsreferate
Dr. Lukas Engelberger
Regierungsrat und Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK),
Hannes Koch
Kantonsrat Grüne Luzern und CEO Spitex Kriens
Dr. med. Martin Nufer
Verwaltungsratspräsident LUKS Gruppe
Saskia Schenker
Direktorin prio.swiss
18.10 Uhr Podiumsdiskussion
18.55 Uhr Zusammenfassender Rückblick
ab 19.00 Uhr Netzwerk-Apéro
Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dr. Lukas Engelberger
Regierungsrat und Präsident GDK

Hannes Koch
Kantonsrat GRÜNE Luzern und CEO Spitex Kriens

Dr. med. Martin Nufer
Verwaltungsratspräsident LUKS Gruppe

Saskia Schenker
Direktorin prio.swiss
Moderation

Mirjam Breu
Moderatorin und Journalistin
Veranstaltungsort
Hörsaal 3. OG