Krebs verhindern, Kosten senken: Das Potenzial der HPV-Impfung
Die HPV-Impfung kann bis zu 90 Prozent der HPV-bedingten Krebserkrankungen verhindern. Dennoch liegen die Impfquoten in der Schweiz deutlich unter dem angestrebten Ziel. Am Netzwerk-Anlass des Luzerner Forums vom 27. Oktober 2026 zeigten Fachpersonen auf, wie sich Impflücken schliessen und bestehende Hürden bei der Prävention abbauen lassen.
Humane Papillomaviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. In der Schweiz erkranken jährlich rund 640 Menschen an HPV-bedingtem Krebs; rund 200 sterben daran. Hinzu kommen mehrere Tausend Krebsvorstufen und über 10'000 Fälle von Genitalwarzen. Die geschätzten Kosten dieser HPV-bedingten Erkrankungen belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen Franken pro Jahr. «Mit den richtigen Massnahmen können HPV-bedingte Krebserkrankungen eliminiert werden», betont Dr. med. vet. Julia Schwarz, Präsidentin der HPV Alliance Schweiz und Spezialistin Früherkennung bei der Krebsliga Schweiz. Entscheidend seien eine höhere Impfquote, eine stärkere Beteiligung bei der Früherkennung sowie die rechtzeitige Behandlung. «Dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen, beispielsweise die Kostenübernahme für HPV-Tests durch die Grundversicherung, organisierte Früherkennungsprogramme und einen einfacheren Zugang zur Impfung», sagt Schwarz.
Besonders gross ist das Potenzial der HPV-Impfung: Sie kann bis zu 90 Prozent der HPV-bedingten Krebserkrankungen verhindern. Trotzdem liegt die Impfquote in der Schweiz erst bei 71 Prozent der 16-jährigen Mädchen und 58 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Das angestrebte Ziel des Bundes von 90 Prozent wird damit deutlich verfehlt.
Armee erreicht junge Männer
Gerade junge Männer sind über die bestehenden medizinischen Angebote schwieriger zu erreichen. Die Schweizer Armee verfügt hier über besondere Möglichkeiten: Im Rahmen der Rekrutierung wird der Impfstatus der Stellungspflichtigen überprüft. Fehlende Impfungen können freiwillig nachgeholt werden. Zudem stellt die Armee während der Rekrutenschule und weiterer Militärdienste die medizinische Grundversorgung sicher. «Die Armee erreicht junge Männer in einer Lebensphase, in der sie medizinische Angebote sonst eher selten nutzen. Dieses Potenzial können wir nutzen, um sie gezielt für die HPV-Prävention zu sensibilisieren und bestehende Impflücken zu schliessen», erklärt Dr. med. Peter Florek, Chef Medizinische Grundversorgung der Schweizer Armee.
Apotheken könnten Impflücken schliessen
Auch Apotheken können den Zugang zur HPV-Impfung erleichtern. Mit rund 1’300 Impfapotheken in der Schweiz, langen Öffnungszeiten und kurzen Wartezeiten sind sie niederschwellige Anlaufstellen für die Impfberatung und für Nachholimpfungen. Allerdings bestehen bei der HPV-Impfung noch einige Hürden. Zum einen ist die Impferlaubnis kantonal unterschiedlich geregelt, zum anderen können Apotheken nicht direkt über die kantonalen HPV-Impfprogramme abrechnen. Mit der Änderung des Krankenversicherungsgesetzes ab 2027 werden wichtige Voraussetzungen geschaffen: HPV-Impfungen können unter bestimmten Bedingungen direkt über die obligatorische Krankenpflegeversicherung abgerechnet werden. Regina von Burg vom Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse erklärt: «Damit können Apotheken künftig einen grösseren Beitrag zur HPV-Prävention leisten. Voraussetzung sind entsprechende kantonale Regelungen, eine gute Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachpersonen und ausreichende Kapazitäten in den Apotheken.»
Prävention konsequent stärken
Der Netzwerk-Anlass des Luzerner Forums vom 27. Oktober 2026 zeigt: Um HPV-bedingte Krebserkrankungen langfristig zu verhindern, braucht es nicht in erster Linie neue medizinische Erkenntnisse, sondern eine konsequente Umsetzung der bestehenden Präventionsmassnahmen. Dazu müssen Bund, Kantone und Gesundheitsfachpersonen enger zusammenarbeiten, den Zugang zur Impfung vereinfachen und die Früherkennung stärken.
Präsentation
Präsentation zu den Inputreferaten
Datum
Dienstag, 27. Oktober 2026, 17.30 bis 19.00 Uhr
Referierende
Dr. med. vet. Julia Schwarz
Präsidentin HPV Alliance Schweiz und Spezialistin
Dr. Peter Florek
Chef Medizinische Grundversorgung – Militärärztlicher Dienst
Regina von Burg
Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse
Moderation
Laura Kopp
Geschäftsführerin Luzerner Forum