Hospize versorgen Menschen mit komplexen, unheilbaren Erkrankungen in ihrer letzten Lebenszeit. Sie übernehmen eine Aufgabe zwischen der Versorgung zu Hause, dem Pflegeheim und dem Spital. Die bestehenden Finanzierungsmodelle tragen dieser besonderen Rolle nur teilweise Rechnung. Wo liegen die Herausforderungen und welche Lösungen braucht es? Wir haben bei Dr. med. Sibylle Jean-Petite-Matile, Geschäftsleiterin der Stiftung Hospiz Zentralschweiz und Präsidentin des Dachverbands Hospize Schweiz, nachgefragt:
Wo stösst das heutige Finanzierungssystem bei Hospizen an seine Grenzen?
Hospize laufen unter dem Pflegeheimstatus. Das bedeutet, dass sie wie Pflegeheime abrechnen müssen. Das deckt die Kosten der Spezialisierten Palliative Care (SPC) der Hospize nicht ab. Für einen Hospizplatz braucht es eine ärztliche Indikation, analog zum Spital. Auch der Personalschlüssel der Pflege ist so hoch wie in einem Spital. Zudem steht eine Ärztin oder ein Arzt 24/7 zur Verfügung. Die Hospize nehmen somit einen eigenen Status in der Gesundheitsversorgung ein. Die dadurch entstehenden Kosten müssen durch Spenden gedeckt werden.
Was bedeutet das für Menschen, die auf einen Hospizplatz angewiesen sind?
Wie in einem Pflegeheim bezahlen die Patientinnen und Patienten ihre Pensionskosten selbst. Das ist stossend, da viele Hospizpatentinnen und -patienten noch keine AHV beziehen und damit keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben. Das Hospiz Zentralschweiz zum Beispiel hat daher einen eigenen Fonds, um diese Pensionskosten zu übernehmen, wenn eine Patientin oder ein Patient sie nicht bezahlen kann. Jeder Mensch, der das Hospiz braucht, soll es auch erhalten, unabhängig von den Finanzen. Das geht mit der jetzigen Finanzierung nur mit Spenden.
Der Dachverband fordert einen eigenen Hospiz-Status und eine kostendeckende Tagespauschale. Was würde sich damit für die Betroffenen, die Hospize und die öffentliche Hand verändern?
Die Betroffenen müssten keine Pensionskosten mehr bezahlen. Das wäre eine grosse Entlastung, da oft auch jüngere Patientinnen und Patienten im Hospiz versorgt werden. Die öffentliche Hand würde Kosten sparen. Derzeit werden Patientinnen und Patienten, die ein Hospiz brauchen, oft im Spital versorgt, weil es vielleicht noch kein Hospiz gibt. Dort kostet ein Tag mehr als doppelt so viel wie im Hospiz. Zudem steht im Spital meist das Machbare und nicht das Sinnvolle im Vordergrund. Sinnvolles ist sehr oft auch eine Beschränkung von Therapien, die nicht mehr gewünscht sind (und keine Patientin und kein Patient wagt das zu sagen). Hospize bieten als die Möglichkeit, die Kosten zu senken!
Ab 2027 werden Leistungen der spezialisierten Palliativpflege höher vergütet. Wo besteht aus Sicht der Hospize weiterhin Handlungsbedarf?
Es werden von den Versicherern höhere Vergütungen für die Patientinnen und Patienten der Spezialisierten Palliative Care bezahlt. Nach wie vor aber steht die oder der Betroffene in der Pflicht, die Pensionskosten selbst zu zahlen. Zwar sinkt das betriebliche Defizit für die Hospize, aber die Patientinnen und Patienten sind immer noch nicht von ihren eigenen Kosten entlastet.
Zertifizierte Hospize müssen eigene Leistungserbringer im Krankenversicherungsgesetz werden und mit einer Tagespauschale vergütet sein. Das fordert der Dachverband Hospize Schweiz.